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Hier wollen wir Ihnen einige grundlegende Informationen über unsere Tiere und unsere Arbeit geben. Wenn es ein bisschen mehr sein darf, sollten Sie unser Seminarangebot in Erwägung ziehen. Denn: Ganz ohne eigene Leistung können und wollen wir Sie nicht zum Straußen-Profi machen!

Uschi Braun und Christoph Kistner (Oktober 2007)
Entstehung:
Die Straußenvögel entstanden vor ca 55 Mio. Jahren in
Zentralasien. Von hier aus breiteten sie sich, wie fossile Eischalen- und
Knochenfunde belegen, vor etwa 2,5 Mio. Jahren nach Westeuropa aus. Nach Afrika
sind die Vorfahren des heutigen Straußes vor etwa einer Million Jahre
"eingewandert".
Wann der Strauß in Europa
ausgerottet wurde bzw. keinen Lebensraum mehr hatte, ist nicht bekannt.
Sicher ist jedoch, dass er während und nach der bisher letzten Eiszeit in
Europa bis etwa 50° nördlicher Breite vorkam. Noch vor rund 10.000 Jahren waren
bei ähnlichen Klimabedingungen wie heute z.B. im Raum Wien große Bestände
heimisch. Und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein kamen Strauße noch wildlebend
in Arabien, Palästina und Syrien vor.
Systematik des Straußes:
Der Strauß gehört zur Ordnung der Ratitae (rates = latein.
Floß) oder Flachbrustvögel. Die Ordnung der Strauße ist heute noch durch 4
Unterarten vertreten: den Nordafrikanischen Strauß (Struthio camelus camelus),
den Ostafrikanischen Strauß (S.c. massaicus), den Somalistrauß (S.c.
molybdophanes) und den südafrikanischen Strauß (S.c. australis).
Der Farmstrauß ist eine Kreuzung aus S.c. camelus und S.c.
australis.
Der in den meisten Farmen Südafrikas gezüchtete Strauß wird in der
internationalen Literatur als "African Black" bzw. "S.c. domesticus"
bezeichnet. In Folge seiner züchterischen Veränderung unterscheidet er sich
durch seine Federqualität- und -anzahl (bester Feder-Strauß), durch eine um
zwei Jahre frühere Geschlechtsreife und eine erhöhte Legeleistung deutlich von
den vier wildlebenden Arten.
Dies gilt auch für die später in Botswana, Namibia und
Zimbabwe gezüchteten Rassen. Sie haben zwar nicht die prächtigen Federn des
"African Black", doch wachsen sie schneller und werden teilweise auch
wesentlich größer und schwerer (25% - Zimbabwe Blue = bessere Fleischrasse).
Sie unterscheiden sich auch in der Körperform vom traditionellen
südafrikanischen Farmstrauß ("tropfen"-förmig statt "kasten"-förmig).
Farmhaltung:
Die erste Kunstbrut beim Strauß gelang im Jahr 1850 in
Florenz, Italien. In Südafrika werden die Tiere seit dem 19. Jahrhundert auf
Farmen gehalten. Anfang des 20. Jahrhunderts breitete sich die Straußenzucht
nahezu weltweit aus. Farmen wurden u.a. in Australien, Nord- und Südamerika,
Asien und Europa (u.a. Ukraine, Italien, Spanien und Deutschland) gegründet.
Die meisten dieser Projekte scheiterten jedoch, da sie mit Beginn des 1.
Weltkriegs (Zusammenbruch des Federmarktes) ihrer wirtschaftlichen Grundlage
beraubt waren. Seit ab ca. 1985 vor allem Leder und Fleisch des Straußes in den
Vordergrund der Nutzung getreten sind, hat sich die Straußenzucht weltweit
etabliert. Auch für Federn besteht wieder ein wachsender Bedarf.
Verhalten:
Strauße sind, sofern der Halter ruhig und freundschaftlich
mit ihnen umgeht, anhänglich, neugierig und kaum je aggressiv. Mit einer
Ausnahme: Der erwachsene Hahn verteidigt während der Brutzeit sein Revier und
seine Hennen. Er mag ungern Störungen und schon gar nicht Fremde in seiner
Nähe.
Bei Planung und Bau von Gehegen sollte man
berücksichtigen, dass der Strauß ein "Fluchttier" ist. Plötzliche, laute
Geräusche können eine Panik auslösen. Hindernisse werden dabei überrannt bzw.
bergen ein erhebliches Verletzungsrisiko. Außerdem kann Lärm vor allem Küken so
sehr stressen, dass sie sterben.
Haltungsbedingungen:
Der Strauß passt sich den verschiedensten Klimabedingungen
problemlos an. Er kann selbst in Regionen mit erheblichen winterlichen Minusgraden
in Offenstallhaltung leben. Halter in Deutschland müssen die in einem Gutachten
des Bundes-Landwirtschaftsministerium formulierten "Mindestanforderungen an die
Haltung von Straußenvögeln" erfüllen. Auf europäischer Ebene hat der "Ständige
Ausschuss des Europäischen Übereinkommens zum Schutz von Tieren in
Landwirtschaftlichen Tierhaltungen" ("Standing Committee Of The European
Convention On The Protection Of Animals Kept For Farming Purposes") die
"Empfehlung für die Haltung von Straußenvögeln" ("Draft Recommendation
concerning ratites") formuliert, die in Deutschland jedoch nur in ihren
"Muss-Bestimmungen" rechtsverbindlich ist.
Sowohl das Gutachten des
Bundes als auch die Empfehlung des Europerats sind nach Auffassung von
artgerecht e.V. in vielen Punkten fehlerhaft und zum Teil tierschutzwidrig.
Eine dringend erforderliche Überarbeitung lässt in beiden Fällen seit Jahren
auf sich warten.
Haltungsgenehmigungen:
Wer Strauße in Deutschland halten oder züchten will,
bedarf nach § 11 Tierschutzgesetz einer Erlaubnis. Diese Genehmigung wird vom
zuständigen Veterinäramt nur erteilt, wenn der Antragsteller nicht wegen eines
Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz vorbestraft ist, die Haltebedingungen
entsprechend dem Gutachten "Mindestanforderungen an die Haltung von
Straußenvögeln" erfüllt und seine Sachkunde nachweist. Letzteres kann er durch
die Teilnahme am Sachkundeseminar von artgerecht e.V., dem Berufsverband
Deutsche Straußenzucht, dessen Prüfung von den zuständigen Behörden anerkannt
wird.
Außer dieser "Haltegenehmigung" wurde in der Vergangenheit
nach dem Naturschutzgesetz auch eine Gehegegenehmigung gefordert. Inzwischen
liegt die Zuständigkeit in dieser Frage bei den Ländern, die jedoch sehr
unterschiedlich verfahren.
Haltungspraxis und Fütterung:
Zuchtstrauße werden üblicherweise als Trios oder Quartetts
(1 Hahn, zwei oder drei Hennen) gehalten. Da sie sich in unseren Breiten ihr
Futter überwiegend selber suchen und auch nicht ständig in neue "Territorien"
versetzt werden wollen, sollte man ihnen soviel Weideland wie möglich zur
Verfügung stellen. Während der Brutzeit (etwa Februar bis September) erhalten
die Tiere bei ausreichender Grünfuttergrundlage zusätzlich etwa ein Kilo
Lege-Mischung für Strauße (= Getreidemischung mit hohem Faseranteil). Während
der winterlichen "Ruhezeit" werden, je nach Weidemöglichkeit, ein bis zwei Kilo
"Erhaltungsmischung" sowie eventuell Heu oder Grassilage angeboten. Wichtig
ist, dass das Zusatzfutter immer auf den jeweiligen Nährstoff-Gehalt des
natürlichen Futters abgestimmt sein muss.
Legeleistung:
Eine Straußenhenne kann im Jahr bis zu 100 Eier
(durchschnittliches Gewicht 1600g) produzieren. Um die Tiere nicht zu
überfordern und auch eine gute Kükenqualität zu gewährleisten, empfiehlt es
sich jedoch, die Eizahl pro Henne und Saison auf ca. 50 zu reduzieren. Bei
sachgemäßer und hygienischer Brut, guter Befruchtungsrate und solidem
Betriebsmanagement kann man pro Henne mit 25 bis 35 Küken rechnen.
Kunstbrut:
Straußeneier können vor Brutbeginn in einem gut belüfteten
und weniger als 20 Grad warmen Raum bis zu 10 Tage gelagert werden. Die
Brutzeit beträgt sechs Wochen, die Bruttemperatur liegt bei ca. 36,3 Grad, die
relative Luftfeuchtigkeit bei 25 bis 30 Prozent. Strikte Hygiene ist
Voraussetzung für den Bruterfolg. Aus diesem Grund sollte der Schlupf in einem
separaten Raum und separaten Brüter erfolgen.
Kükenaufzucht:
Küken werden vom vierten Lebenstag an ad libitum mit einem
guten Straußen-Kükenstarter gefüttert und langsam auch an (kurzgehaltenes) Grün
gewöhnt. Sie sollten bei gutem Wetter bereits vom dritten oder vierten
Lebenstag an Auslauf ins Freie genießen, von der vierten Lebenswoche an auch
bei Regen, allerdings sollte ihnen der etwa 20 Grad warme Stall jederzeit
zugänglich sein. Kleine Strauße brauchen für Wohlbefinden und gutes Wachstum
den häufigen Kontakt zu ihrem Betreuer. Sie sollten nie lange Zeit
alleingelassen werden.
Vom dritten Lebensmonat an erhalten Küken zusätzlich zum
Weidebewuchs unbegrenzt eine
Straußen-Aufzuchtmischung. Für die Aufzucht von Schlachttieren setzt man
idealerweise hofeigenes, möglichst günstiges Futter ein. Dabei ist unbedingt
darauf zu achten, dass das Ergänzungsfutter zusammen mit dem Weidefutter die
Bedarfswerte der Tiere deckt.
Schlachtung:
Das ideale Schlachtalter von Straußen liegt, je nach
Rasse, bei neun bis 16 Monaten. Die traditionellen südafrikanischen Farmstrauße
"African Black" oder "Schwarzhals-Strauße" erzielen bei einem Schlachtalter von
14 bis 16 Monaten und einem Lebendgewicht von ca. 90 kg durchschnittlich
zwischen 20 und 25 kg ausgebeintes Fleisch (Filet ca. 25 %, Steak und Braten
ca. 45 %, Gulasch ca. 15 %, Wurstfleisch ca. 15 %).
Der als optimale Fleisch-Rasse geltende "Zimbabwe Blue"
oder "Zimbabwe-Blauhals" erzielt bei einem Schlachtalter von etwa 10 Monaten
und einem Lebensgewicht von mindestens 100 kg durchschnittlich um 30 kg
ausgebeintes Fleisch. Andere Rassen wie der "Namibian Blue" erreichen diese
Werte bei meist höherem Schlachtalter von mindestens 12 Monaten ebenso wenig
wie verschiedene Kreuzungen, die auf vielen Farmen außerhalb Afrikas gehalten
werden.
Die Schlachtung selbst ist bei entsprechender Sachkunde
unproblematisch. Strauße werden in der Regel elektrisch betäubt (Schweinezange)
und nur ausnahmsweise bzw. bei Notschlachtung durch Bolzenschuss. Nach dem
Ausbluten werden die Tiere gerupft, mit Wasser abgespritzt und dann gehäutet.
Dabei ist es sehr wichtig, die Haut nicht zu beschädigen. Danach wird der
Schlachtkörper ausgenommen und in zwei Hälften geteilt.
Auch das Entbeinen der Schlachthälften stellt für einen
Metzger kein Problem dar. Schwierig ist dagegen das fachgerechte Zerlegen, da
aus jeder Hälfte 17 Muskel einzeln herausgelöst werden müssen, die den
Qualitäten Filet oder Steak bzw. Braten zugeordnet sind. Hinzu kommt, dass
Straußenfleisch im Hinblick auf seine Struktur mit keiner anderen Fleischart
verglichen werden kann. artgerecht e.V., der Berufsverband Deutsche
Straußenzucht, bietet daher spezielle Schlacht- und Zerlegeseminare an.
Vermarktung:
Der Strauß wird so vollständig verwertet wie kein anderes
Nutztier. Das Fleisch ist nicht nur sehr schmackhaft, sondern auch extrem
fettarm. Die Haut wird zu einem der teuersten Leder gegerbt, die Federn finden
Käufer beispielsweise in der Modebranche, in der Kfz- und Computer-Industrie
und im Floristikbereich. Unbefruchtete Eier können voll als Speise- oder
ausgeblasen als Schmuckeier verkauft werden; Scherben von Schlupfeiern werden
zu Modeschmuck oder gemahlen in der Therapie eingesetzt. Verwertet werden schließlich
auch Schnabel, Zehenkralle, Fett und Knochen.
Marktsituation:
Farmstrauße werden heute in aller Welt gehalten. Aktuelle
Schwerpunkte der Produktion außerhalb der südafrikanischen Länder sind neben
Europa vor allem Australien und China. Haupterzeuger ist aber nach wie vor
Südafrika, wo sich die Produktion 2001 auf ca. 330 000 Tiere belief, in den
Folgejahren aber wegen der unbefriedigenden Ertragslage im Lederbereich auf 230
000 Tiere reduziert wurde. Nach zwei Ausbrüchen der Geflügelgrippe (Typ H5N2 -
2004 bzw. 2006) musste fast die Hälfte aller südafrikanischen Farmen aufgeben.
Dadurch sank die Zahl der Schlachttiere auf rund 140.000 (Stand August 2007).
Insgesamt standen dem Weltmarkt 2007 rund 200.000 Tiere bzw. 3.500 Tonnen
Fleisch (Filet, Steak, Braten) zur Verfügung.
In der Vergangenheit wurden in Südafrika mit der Haut etwa
75 % des gesamten Tierwertes erlöst. Etwa 80 % aller Häute bzw. Leder wurden in
den Fernen Osten exportiert, wo das sehr teure Straußenleder lange Zeit
Statussymbol war. Rezessionen und verändertes Verbraucherverhalten führten
dazu, dass der Haut- bzw. Lederverkauf nach Asien dramatisch einbrach. Viele
Farmen und Verarbeitungsbetriebe im südlichen Afrika, aber auch in Australien
und Israel (Zemach-Gruppe) mussten daher ab 2002 schließen.
Ein weiteres
Problem vor allem in Süd- und Osteuropa, aber auch in Asien, den USA und
Südamerika ist die Tatsache, dass Investoren mit betrügerischen und völlig
unrealistischen Rendite-Versprechungen gelockt werden. Dies hat etwa in Australien
und Brasilien zu katastrophalen Pleiten geführt, bei denen viele gutgläubige
Anleger ihre gesamte Habe verloren.
In Mitteleuropa spielt Straußenleder noch eine eher
untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt steht hier Straußenfleisch, das allein
eine wirtschaftliche Betriebsführung sicherstellen kann, wenn direkt ab Farm
vermarktet wird. Dennoch muss natürlich auch in Mitteleuropa das gesamte
Potential der Tiere ausgeschöpft werden, da angesichts der Überproduktion
herkömmlicher Fleischarten nur eine möglichst vollständige Verwertung (auch
Federn, Haut, Fett usw.) die Haltung und Schlachtung von Straußen rechtfertigt.
Eine erfolgreiche Straußenhaltung setzt außerdem voraus,
dass die Wertigkeit aller Straußenprodukte für den Menschen erhalten bleibt.
Dies bedeutet Verzicht auf eine industrielle Tierhaltung, die grundsätzlich das
Zufüttern von Antibiotika erforderlich macht. Verzichtet werden muss außerdem
auf ein Mästen der Tiere und jedes Zufüttern von Wachstumsförderern oder
Tierkörperprodukten, deren Einsatz seit der BSE-Krise ohnehin verboten ist und
bei Straußen aufgrund deren ernährungspysiologischen Abläufen nahezu
wirkungslos wäre.
Stattdessen muss eine art- und tierschutzgerechte ganzjährige
Weidehaltung mit Offenstall praktiziert werden, bei der nur in geringem Umfang
zugefüttert wird. Nur wenn dies gewährleistet ist, kann das Interesse des
Verbrauchers an den heute noch weitgehend unbekannten Straußenprodukten
geweckt, sein Vertrauen gewonnen und auf Dauer gefestigt werden.
Wirtschaftlichkeit:
Straußenhaltung bzw. -zucht kann unter wirtschaftlichen
Gesichtspunkten erfolgreich betrieben werden. Allerdings nur, wenn die
Erzeugungskosten nicht über dem durchschnittlichen weltweiten Vergleichswert
von EUR 150,00 bis EUR 175,00/ Schlachttier liegen.
Andernfalls muss der Ertrag etwa durch Direktvermarktung der einzelnen
Erzeugnisse wie Fleisch, Haut usw. deutlich über dem Erlös von ca. EUR 250,00
liegen, der durch den Verkauf des Schlachttiers erzielt werden kann.
Aus diesen Zahlen ergibt sich auch die erforderliche Größe
bzw. Tierproduktion von Betrieben, die sich ausschließlich auf Strauße
spezialisieren und in diesem Fall mindestens 500 Schlachttiere/ Jahr erzeugen
sollten. Bei Produktionskosten von EUR 175,00 und einem Verkaufserlös von EUR
250,00 je Schlachttier kann ein Betrieb in diesem Fall einen Brutto-Gewinn von
EUR 37.500,00/ Jahr erzielen.
Obwohl sich die Zahl dieser Betriebe in Mitteleuropa schon
wegen der erforderlichen Fläche von mindestens 20 Hektar Weideland in Grenzen
halten wird, werden sie künftig den Binnenmarkt prägen. Kleinere Produktionen
im Nebenerwerb oder als zusätzlicher Unternehmenszweig werden in der Regel nur
bei Direktvermarktung oder als Zulieferer der großen Vollerwerbsbetriebe eine
wirtschaftliche Grundlage haben.
Grundsätzlich aber gilt in jedem Fall: Nur wer seine
betrieblichen Kapazitäten voll auslastet, kann wirtschaftlich arbeiten. Denn
der Aufwand für Grundinvestition und Arbeit ist bei 50 Jungtieren nur
unwesentlich geringer als bei 500. Der jeweilige Ertrag unterscheidet sich
dagegen ganz erheblich.
Ein wesentlicher Faktor für die wirtschaftliche Basis
eines Betriebs ist auch die Bereitschaft bzw. Möglichkeit zur Kooperation. So
können etwa ein Brutbetrieb im Vollerwerb und mehrere Aufzuchtbetriebe im
Nebenerwerb ein befriedigendes Wirtschaftsergebnis erzielen, wenn sie ihr
Produkt gemeinsam vermarkten. Ein Vollerwerbsbetrieb dagegen, der alle Bereiche
von Eiproduktion über Brut und Aufzucht bis zur Vermarktung abdecken will, muss
wegen der Vielzahl der Arbeitsfelder entweder Abstriche bei der Qualität seiner
Arbeit akzeptieren oder aber so hohe Umsätze erwirtschaften, dass er sich die
entsprechenden Mitarbeiter leisten kann.
© 10/2007 by Uschi Braun/ Christoph Kistner, 76761
Rülzheim, Germany
Veröffentlichung - auch auszugsweise - nur mit
schriftlicher Genehmigung, Quellenangabe und Nennung der Autoren

(Christoph Kistner - Straussenfarm Mhou/ MhouProducts )
Würde der Strauß Milch geben, hätte er längst als geflügelte Variante der legendären "eierlegenden Wollmilchsau" Geschichte gemacht. Doch auch ohne Milch schlägt er alle anderen landwirtschaftlich genutzten Tiere um Längen: Kein anderes Tier wird so umfassend verwertet und liefert so vielfältige und einzigartige Produkte wie der größte Vogel der Welt.
Dass der Strauß ein faszinierendes Tier mit außergewöhnlichen Produkten ist, wussten die Menschen schon lange vor dem 20. Jahrhundert. Im alten Ägypten galten seine gleichmäßig geformten Federn als Symbol für Gerechtigkeit, römische Leginonärsoffiziere schmückten ihre Helme damit und überzogen ihre Brustpanzer mit Straußenleder. Und die heilige Hildegard von Bingen pries im frühen Mittelalter zartes Fleisch, Leber und Fett vom Vogel Strauß als äußerst heilsam. Es ist eines der vielen Rätsel unserer Geschichte, warum all dies vergessen und erst im 19. bzw. Ende des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt wurde.
Auch in der Neuzeit weckten zunächst die Federn das Interesse der Menschen - vor allem der Damenwelt. Und zwar so sehr, dass die flauschige Pracht zeitweise nicht nur in Gold aufgewogen wurde, sondern der Strauß nahezu ausgerottet war. Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Erfindung von Draht und Brutmaschinen bzw. der Anbau von Luzerne in Südafrika eine Haltung in Farmen ermöglichte, gab es dort gerade noch 80 wildlebende Hähne.
Nachdem der Federboom durch den ersten Weltkrieg beendet war, eroberte Straußenleder in den 20-er Jahren die Welt der Vornehmen und Reichen, bis die Weltwirtschaftskrise auch diesen Traum beendete. Erst mit dem neuen Wohlstand der Aufbaujahre nach dem 2. Weltkrieg erlebte Straußenleder eine Renaissance. Zentrum der Verarbeitung war in den 50-er Jahren vor allem Deutschland, von wo aus edle Handtaschen, Schuhe und Gürtel für Höchstpreise in die ganze Welt verkauft wurden. Und erst um 1985 fanden in der Schweiz die ersten Gourmets wieder Gefallen am Straußenfleisch. Heute werden in aller Welt Jahr für Jahr rund 500.000 Tiere geschlachtet und verarbeitet.
Heute ist das Fleisch wichtigstes Erzeugnis. Es zeichnet sich aus durch sehr geringen Fettgehalt (0,7 bis 2 %), nur ca. 114 Kalorien/ 100 g, Cholesterinwerte um 68 mg/ 100 g, einen hohen Proteingehalt (etwa 26 %), sehr viel Eisen und mehrfach ungesättigte Fettsäuren, dagegen besonders wenig Natrium. Straußenfleisch gilt daher als ideales Diätlebensmittel für Menschen mit koronaren Herzerkrankungen bzw. Bluthochdruck und auch als besonders hochwertige Nahrung für sportliche Menschen. Dazu ist es außergewöhnlich zart und delikat, was vor allem für deutsches Straußenfleisch gilt. Während in Afrika oder südeuropäischen Ländern zu 100 Prozent zugefüttert werden muss, können deutsche Strauße - wie auf den Mhou®-Weiden - das ganze Jahr über grasen und so besonders mageres und zartes Fleisch mit feinen Fasern entwickeln.
Straußenleder wird heute vor allem nach Japan und Korea verkauft. Doch auch der europäische Verbraucher begeistert sich immer mehr für das weiche Leder mit der einzigartigen Noppenstruktur, das nahezu unverwüstlich erscheint. Besonders gefragt sind Häute aus mitteleuropäischen Zuchtbetrieben, deren Tiere ("Zimbabwe Blauhals") ganzjährig auf der Weide ernährt werden, schneller wachsen als ihre kleineren Verwandten in Afrika oder Südeuropa ("Schwarzhals" bzw. "Namibian Blauhals") und dabei eine wesentlich gleichmäßigere und weichere Haut entwickeln. Leder aus den Häuten dieser Tiere ist eine Rarität und zählt zum teuersten Leder überhaupt.
Genutzt werden natürlich auch die Straußenfedern. Auch wenn die riesigen Federn auf einem großen Damenhut selbst die Dimensionen jeder Nobellimousine sprengen. Gefragt sind die flauschigen Flügel-, Schwanz- und Körperfedern heute weniger von Hutmachern als von den Kostümschneidern der Cabarets, Theater oder auch südamerikanischen Tanzgruppen. Allein Brasilien importiert für den Straßenkarneval jedes Jahr Straußenfedern im Wert von über 30 Millionen US-Dollar.
Gefragt sind Straußenfedern aber auch in Computer- und Automobilindustrie, im Friseur-Handwerk oder im normalen Durchschnittshaushalt - und zwar zum Staubwischen. Antistatische Straußenfedern verteilen Staub nicht auf der Oberfläche, sondern nehmen ihn in den millionenfachen Federästchen ohne jede statische Ladung auf, was besonders Computer- oder Automobilhersteller zu schätzen wissen. Oder all die leidgeprüften Menschen, die jeden Tag gegen Staubpartikel auf Glasflächen und glänzendem Möbellack kämpfen.
Einzigartig ist auch das Fett, das der Strauß unter der Haut als Schutz gegen Kälte speichert. In den USA, in Südafrika und in Australien ist Straußenfett oder "Straußenöl" als Heilmittel gegen Schuppenflechte anerkannt; es hilft bei Akne, Herpes und allergischen Hautreaktionen.
Der Kalk der Straußeneischale gilt - wie schon die heilige Hildegard von Bingen wusste - als wirkungsvollstes natürliches Entwässerungsmittel, das bei Wasserödemen Linderung verschafft; die Fußsehnen finden u.a. in der pharmazeutischen Industrie beispielsweise als Herzvenenklappen Verwendung.
Ganz zu schweigen von den vielfältigen Möglichkeiten, Straußenprodukte im kunsthandwerklichen Bereich zu veredeln. Hier setzt nur die menschliche Phantasie Grenzen...!
© 1/2004 by Christoph Kistner, 76761 Rülzheim, Germany
Veröffentlichung - auch auszugsweise - nur mit schriftlicher Genehmigung und Nennung des Autoren
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